Vor uns das Mittelmeer

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Fast der gesamte öffentliche Raum wird videoüberwacht. Mithilfe von Webcams, die konsequent alles, was sich vor ihnen abspielt, rund um die Uhr aufzeichnen und ins Netz stellen. Anhand dieser Webcam-Aufnahmen zeichnet der preisgekrönte Dokumentarfilm ein unwillkürliches und unverfälschtes Porträt der heutigen Mittelmeerküste. Webcams machen es möglich, dem Treiben der Welt live zuzuschauen. 24 Stunden am Tag zeichnen sie alles auf, was sich vor ihnen abspielt. In diesen Aufnahmen scheint alles gewöhnlich und oberflächlich – das Leben, so scheint es, schlägt keine Wellen. Die preisgekrönte Dokumentation „Vor uns das Mittelmeer“ ist eine Ode an die mediterrane See unserer Tage. Es zeichnet ein Bild des heutigen Mittelmeers, das einerseits Postkartenmotiv ist, andererseits Massengrab für die vielen Ertrunkenen, die man nicht sieht. Mit Hilfe der Aufnahmen von Webcams, die es Tag und Nacht beobachten und wiedergeben, wirft Jean-Marc Chapoulie einen Blick auf dieses Meer, das so viele Fantasien beflügelt. Mitwirkende an dem Schauspiel, das dabei entsteht, sind ein städtischer Hafenbeamter in Syrakus, der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes an der Promenade des Anglais in Nizza, ein Surfspezialist, der die Qualität der Wellen analysiert, oder ein Hotelbesitzer, der das türkisfarbene Wasser seines Traumpools zur Schau stellt.
Die Kamera filmt kontinuierlich, fast unerbittlich. Die Plansequenzen sind lang, die Kamerabewegung ist immer dieselbe: mechanisch, vorhersehbar. Der Film vermittelt den Eindruck eines Kontrollturms, von dem aus der virtuelle Spaziergang durch das Internet starten kann. Immer wieder werden diese anonymen Bilder unterbrochen – mit Aufnahmen des syrischen Kollektivs Abounaddara. Als Protest gegen das syrische Regime stellen sie regelmäßig Videos online und zeigen ein ganz anderes Bild der Mittelmeerküste. Begleitet wird die Dokumentation von Worten, Dialogen und Gedichten, die zwischen Jean-Marc Chapoulie, seinem Sohn Orso und der Schriftstellerin Nathalie Quintane ausgetauscht werden. (arte)

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